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Katja Wolff

Der kabbalistische Baum

Einführung in die Kabbala

Die Kabbala, deren Ursprünge sich in vorgeschichtlicher Zeit verlieren, ist eine der ältesten Kosmologien der Menschheit. Ihre heutige Ausformung erhielt sie im Mittelalter. Seitdem steht sie uns auch als „christliche Kabbala“ zur Verfügung und hat bis heute nichts von ihrer Faszination verloren.

Dem Menschen der Gegenwart, der sich nicht nur mit Herz und Gefühl, sondern auch mit Kopf und Verstand auf den Weg gemacht hat, das Geheimnis seiner Existenz zu ergründen, bietet die Kabbala den „Königsweg” der umfassendsten Erkenntnis an.

Der Autorin (geb. 1961, Studium der Philosophie und Germanistik in Hamburg) ist es gelungen, ihr komplexes Thema in ein leichtes Gewand zu kleiden, und so liegt uns hier eine hervorragende Einführung in das kabbalistische Weltbild vor.

Leseprobe – Aus der Einleitung:

Jüdische und christliche Religion, Astrologie, Tarot und Alchemie, so heißt es, haben unzählige Väter, aber nur eine Mutter: die Kabbala. Mütterchen Kabbala ist älter als die Bibel. Eingeweihte berichten, sie sei sogar älter als die Menschheit. Das Mütterchen hat sich schon in vielen verschiedenen Körpern gezeigt. Die meisten davon hat sie längst verlassen. Diese verlassenen Körper sind entweder begraben und vergessen oder kunstvoll einbalsamiert worden. Mütterchens Körper nennt man Religionen oder Philosophien.

Zahlreiche Philosophien sind heute hutzelige Mumien, die von den Bewohnern der Elfenbeintürme verwaltet werden. Viele Religionen stolpern als Zombies, als scheinlebendige Tote durch die Zeit, hohle Phrasen schnarrend, deren Bedeutung auf dem Weg durch die Jahrhunderte verlorengegangen ist.

Trotz ihres hohen Alters ist das Mütterchen putzmunter und springlebendig. Sie wächst mit jedem Tag, ändert ihr Gesicht und bleibt doch stets dieselbe. (...)

Manche sagen, die Kabbala sei Adam nach der Vertreibung aus dem Paradies von den Engeln als Mittel der Rückkehr überreicht worden. Andere halten sie für die Essenz des Wissens, für die Summe aller Fragen und Antworten. Man nennt sie eine Tradition, einen Einweihungsweg, die Struktur des Universums, den göttlichen Bauplan, das Drehbuch der Schöpfung, den Stadtplan der Seele, eine Technik, den Verstand zu benutzen, oder auch eine Gebrauchsanweisung für die menschliche Intelligenz.

Jede dieser Bezeichnungen beschreibt nur einen bestimmten Aspekt der Kabbala. Wir wollen zunächst dabei bleiben, in ihr das Mütterchen zusehen.

Das Mütterchen liebt es, wenn man sie geduldig umwirbt und ihr den Hof macht - nicht etwa, weil sie eitel wäre, sondern weil sie nur denjenigen reich beschenken kann, der sich für die Quaternität des Schenkens geöffnet hat. Die Viereinigkeit des Schenkens besteht darin, dass das Mütterchen

1. die Schenkende,

2. das Geschenk,

3. der Vorgang des Schenkens und

4. die Beschenkte ist - alles zugleich.

Indem sie sich in ihre Kinder verströmt, kehrt sie in sich selbst zurück. (Warum das so ist und wie das funktioniert, erfahren wir später.)

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